Am 30.05.2026 fand der zweite Termin unserer Museumstour mit Bezirksrätin Christine Rietzler statt. Diesmal besuchten wir das Museum Hammerschmiede und Stockerhof in Naichen. Bis 1980 wurden hier Schmiede und Landmaschinenwerkstatt betrieben, welche einen wichtigen Teil zur regionalen Wirtschaft beitrugen.
Noch weit in die 1980er Jahre hat Theresia Stocker noch händisch mit Holzplatten („Steckschützen“ oder „Fallen“) am Steckschützwehr den Pegelstand des Kanals an der Kammer reguliert, um die Turbine in Betrieb zu halten, deren Energie man stets für den Betrieb genutzt hatte. Selbst tief in der Nacht erkannte sie durch ihr Gehör, in der Schmiedewohnung im oberen Sockwerk der Hammerschmiede schlafend, wenn eine Anpassung notwendig war. Die Turbine hatte ihr Schwiegervater, Serafin Stocker, 1925 eingebaut, um die vorherigen Wasserräder zu ersetzen. Nach dem Verkauf des Anwesens von Theresia Stocker an den Bezirk Schwaben wurde 1993 eine Schachtturbine in Betrieb genommen, die sich automatisch regelt und durch ihre Stromerzeugung mithilft, dass der Bezirk bis 2030 klimaneutral wird.



In der Führung konnten wir nachvollziehen, wie die Familie Stocker früher Werkzeuge und Maschinenteile herstellte. Die erhaltenen Maschinen, welche heute noch für Vorführungen verwendet werden, trugen zum lebendigen Eindruck des Museums bei. Bei einem Brand 1922 war die vorherige Schmiede (von 1839) fast vollständig zerstört worden. Die bei der darauf folgenden Neuausstattung und Modernisierung der Hammerschmiede eingebaute Technik ist größtenteils noch heute zu besichtigen und kann auch noch direkt durch die Wasserkraft betrieben werden. Alle Räume im Erdgeschoss sind von Keilriemen durchzogen, die die Wasserkraft auf die vielen Maschinen übertragen. Herzstück ist der namensgebende Krafthammer für Schmiedearbeiten.
Wir durften uns nicht nur von Kilien Trapp alles erklären und zeigen lassen, sondern bekamen auch eine Vorführung des traditionellen Handwerks vom Schmied Kasimier Fischer zu sehen. Die hier vor der Stilllegung des Betriebs (1980) hergestellten Schaufeln – erkennbar am Markenzeichen SSt für Serafin Stocker (junior) – gelten als unzerstörbar und wer heute noch eine besitzt, kann sich glücklich schätzen über ein echtes regionales Qualitätswerkzeug mit zeitloser Funktionalität.



Besonders beeindruckend war die Verbindung von Technikgeschichte und regionaler Kultur. In der Schmiedewohnung über den Betriebsräumen wird deutlich, wie sehr sich Vieles mit der Zeit verändert hat – und wie die Stockers ihr Leben dem Betrieb der Schmiede und der Landmaschinenwerkstatt untergeordnet haben. Auch in den Privatbereichen konnte man dem Lärmpegel nicht entkommen, vielmehr wurde zusätzlich noch durch lautes Klopfen an den Rohren zwischen Wohnung und Schmiede miteinander kommuniziert. Das eigene WC, nach der Heirat 1942 eingebaut, aber bis 1968 noch ohne automatische Spülung. Nur wenig Haushaltselektronik, da der Generator der Schmiede nur Gleichstrom produziert. Die Einrichtung ist noch historisch erhalten und bildet eine zusätzliche interessante Ausstellung neben den technikgeschichtlichen Highlights im Erdgeschoss.
Auch in der aktuellen Sonderausstellung Der Ruf der Berge. Alphörner & Co. konnten wir bei der Gelegenheit noch kurz reinschauen und unseren Besuch abrunden. Es war schön zu erleben, wieviel Geschichte sich selbst in den kleinen Ecken Schwabens zeigt warum es umso wichtiger ist, diese durch Heimatpflege zu bewahren.
Das Museum Hammerschmiede und Stockerhof Naichen wird vom Bezirk Schwaben als Zweigmuseum des Museums Oberschönenfeld (in Gessertshausen im Landkreis Augsburg) betrieben, welches wir in einem späteren Teil der Museumstour auch noch besichtigen werden. In dieser Runde folgt im Juni 2026 noch das Isergebirgsmuseum in Neugablonz und das Schwäbische Freilichtmuseum Illerbeuren.
Wir danken auch diesmal allen Teilnehmenden für das große Interesse und freuen uns schon auf unsere nächste Station. Bis dahin!
