Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem

Zum Internationalen Frauentag erklären Ekin Deligöz, Familienpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, Melanie Melitta Hippke, Bezirksvorsitzende der Grünen Schwaben und Heidi Terpoorten, Bezirks- und Kreisrätin in Schwaben:

Gewalt gegen Frauen bleibt ein ungelöstes und alarmierendes Problem und Corona macht offenkundig, was vorher schon Bestand hatte: Bis heute ist es nicht gelungen, ausreichend Frauenhausplätze für betroffene Frauen zu schaffen und unabhängig vom Wohnort bundesweit gleichwertige und bedarfsgerechte Standards für Frauenhäuser zu etablieren. Deutschland hat sich national und international in Gesetzen und Abkommen verpflichtet, Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen. Es darf nicht sein, dass Frauen in Abhängigkeit ihres Wohnortes gute oder weniger gute Unterstützung erhalten. Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem. Und Hilfe und Schutz bei Gewaltbetroffenheit ist eine staatliche Verpflichtung!

Ekin Deligöz:

„Gerade im Lockdown ist die Sorge um Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind groß und wir laufen Gefahr, dass die Dunkelziffer von Gewalttaten gegenüber Frauen noch enorm ansteigt. Aus der Erfahrung vorheriger Lockdowns ist klar, dass sich das Risiko für Frauen in den eigenen vier Wänden Gewalt zu erfahren erhöht. Und dennoch müssen Frauen, die von häuslicher oder partnerschaftlicher Gewalt bedroht sind, in Frauenhäusern abgewiesen werden, weil es zu wenige Plätze gibt. Ich fordere, dass der Bund Verantwortung übernimmt und gemeinsam mit Ländern und Kommunen eine stabile Finanzierung von Frauenhäusern gewährleistet“

Melanie Melitta Hippke:

„Die Dunkelziffer von an häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und damit meist auch die der von im Haushalt lebenden betroffenen Kinder ist vermutlich um ein Vielfaches höher.

Neben den wachsenden Bedarfen an Frauenhausplätzen ist die enorm gewachsene Antragszahl zur Grundsicherung (ALG II) von Frauen nach einer Trennung ein Indikator dafür, dass die Pandemie gewaltige Spuren in den Partnerschaften hinterlässt. Hier sind die Kommunen gefragt, neben den Frauenhausplätzen vor allem für die Zeit danach und bei einer Trennung günstigen Wohnraum für Frauen bereit zu stellen. Auch ein flexibles Arbeitsangebot zu schaffen, das vereinbar ist mit der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder, um Frauen den oft erstmaligen Einstieg oder den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern, stellt eine wichtige Aufgabe dar. Eine Gewährleistung von sprachlicher Barrierefreiheit bei den Hilfsangeboten der jeweiligen Städte und Gemeinden für betroffene geflüchtete Frauen und Frauen mit Migrationshintergrund ist dabei unerlässlich.“

Heidi Terpoorten:

Einen sehr wichtigen Beitrag zu intensiverer niedrigschwelliger Hilfen in Krisen in Schwaben ging in den letzten Tagen an den Start. Ich freue mich sehr über den jetzt auch in Schwaben gestarteten Krisendienst, der per Telefon erreichbar ist, aktuell bis 21 Uhr, mit dem Ziel ausgebaut zu werden auf 24 Stunden Besetzung. Bei Bedarf kommen Mitarbeiter:innen des  sozialpsychiatrischen Dienstes des jeweiligen Landkreises oder Stadt innerhalb einer Stunde zu den Menschen nach Hause. Der Krisendienst wird vor allem auch Frauen in Notsituationen zur Seite stehen können, er arbeitet zudem eng mit der Polizei zusammen und kann so in Extremsituationen Frauen mit oder ohne Kinder in Krisen tatkräftig unterstützen.

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