Wie die weltberühmte Gablonzer Schmuckindustrie in Kaufbeuren neu aufgebaut wurde

Eine lehrreiche Geschichte von Migration und Integration kann man im Isergebirgsmuseum in Neugablonz (Kaufbeuren) erleben. Auf dem Gelände einer alten Munitionsfabrik entstand nach dem Krieg und der Vertreibung der Sudetendeutschen ein neuer Stadtteil mit der größten Vertriebenensiedlung Deutschlands. Bis heute wird die eigene Identität und Kultur gepflegt und die paurische Sprache gesprochen – nachdem auch die Schmuckindustrie aus Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) in Neugablonz wiederauflebte. Wir haben den Stadtteil und das Museum im Rahmen unserer Museumstour mit Bezirksrätin Christine Rietzler besucht, die für ihre Pflegeausbildung selbst mal in Neugablonz wohnte.

Die Ausstellung beginnt mit der Vorgeschichte – wo und wie deutschsprachige Menschen im Isergebirge gelebt und gearbeitet hatten. Ein großer Schwerpunkt der Ausstellung ist die Gablonzer Glas- und Schmuckindustrie, die internationale Bedeutung hat und heute noch in Neugablonz/Kaufbeuren u.a. mit einer renommierten Berufsfachschule für Glas und Schmuck präsent ist – aber auch zur Weltmarke Swarovski in Tirol geführt hat. Von der handwerklichen Glasverarbeitung zu Vorkriegszeiten führt das Museum bis zu besonderen Exponaten wie Nachbildungen berühmter Kronen (u.a. die von König Ludwig). Daneben ist auch immer die Geschichte der Migration präsent sowie die historischen Kontexte, in denen die Menschen sich und ihre Lebensentwürfe neu erfinden und einen neuen Stadtteil aufbauen mussten.

Einige von den Teilnehmenden an unserer Führung haben selbst Vorfahren und Verwandte, die einst im Isergebirge oder anderen ähnlichen Gebieten gelebt hatten. Erstaunlich ist daher kaum, wie viele bekannte Menschen und Marken eine solche Migrationsgeschichte haben. Beispielsweise ist der Autor Otfried Preußler und seine Familie (aus Reichenberg/Liberec) im Isergebirgsmuseum ebenso präsent wie etwa die Plüschtier- Kinderbekleidungsmarke Sigikid. Ein VW Käfer in der Dauerausstellung sowie viele weitere Fahrzeuge in einer Sonderausstellung zeigen, wie auch die Mobilitätsgeschichte und die deutsche Autoindustrie ohne die Pioiniersarbeit von Menschen aus Böhmen und Mähren (wie v.a. Ferdinand Porsche aus dem Isergebirge) wohl ganz anders verlaufen wäre.

Insgesamt ist das Isergebirgsmuseum im Gablonzer Haus in Neugablonz (Kaufbeuren) eine spannende Zeitreise durch verschiedene multikulturelle Kontexte und Entwicklungen, die weiterhin in Bewegung und im gegenseitigen Austausch sind, aber auch heute immer wieder neue Trennungen und Abgrenzungen erzeugen.

Wir bedanken uns beim überwiegend ehrenamtlichen Team des Isergebirgsmuseums für die freundliche Zusammenarbeit bei diesem Termin unserer Museumstour und kommen gerne wieder. Die Sonderausstellung FERDINAND PORSCHE UND ANDERE PIONIERE Wegbereiter der Mobilität aus Böhmen und Mähren läuft noch bis 20. September.

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